Bodenwerder und die Vergangenheit

Im Schrinntal verrottet das Ehrenmal

in einem längeren Bericht der Dewezet vom 24. 04. 2014, beschreibt die Autorin Julia Rau den beklagenswerten Zustand des 1925 errichteten Ehrenmals. Die Aussagen des Samtgemeinde-Schrinntal_1bürgermeisters Joachim Lienig zum Zustand des Denkmals und wie es wieder hergerichtet werden könnte, sind ausweichend. Es verwundert daher nicht, daß Herr Lienig den Vorgang an den Rat der Stadt delegiert. Mit viel Glück findet sich die Angelegenheit dann im November auf der Tagesordnung irgendeiner Ratssitzung wieder.
Wer die politische Bearbeitung solcher Themen kennt, weiß, daß der Mühlstein dann erst mit Diskussionen, Fraktionsbesprechungen, usw. zu drehen beginnt. Bei der Häufigkeit der Ratssitzungen sollte man dann mit einer Entscheidung frühestens im kommenden Jahr rechnen können.
Joachim Lienigs Aussage, Zitat: „Für wen das alles? Da geht ja keiner mehr hin“ (Zitat Ende) ist dabei an Ignoranz und Respektlosigkeit kaum zu überbieten.
Schrinntal_2Warum? Respektlosigkeit gegenüber den Gefallenen beider Weltkriege, die Bürger der Stadt Bodenwerder waren. Immerhin haben sie für zwei katastophale Ereignisse ihre Leben gelassen. Zugegeben, die Namen sagen den heute Lebenden wahrscheinlich nichts mehr. Und getötet wurden sie wegen einer verfehlten, menschenverachtenden Politik, die zu keiner Zeit dem Volk diente, sondern nur der herrschenden politischen Kaste. Ignorant verhält sich der Samtgemeindebürgermeister, weil er als öffentliche Person nicht in der Lage war, Vereine, Verbände, die Politik und die Bevölkerung in diesem Erinnerungsjahr 2014 des Ausbruchs der europäischen Großkatastrophe zu gedenken. Jedenfalls stand nichts in der Zeitung.
Ein Blick über den Tellerrand Bodenwerders hätte schon früh gezeigt, wie sich andere Länder, Institutionen und engagierte Bürger mit dem Aceramic-poppies-first-world-war-installation-london-tower-2usbruch des Krieges auseinandersetzten. Ich will an dieser Stelle nur auf die fast 900.000 Keramik-Mohnblumen vor dem Londoner Tower hinweisen, die zum Gedenken an den Kriegsausbruch dort installiert wurden.
Die Umstände, die 1914 zum Kriegsausbruch führten, ähneln schon sehr den heutigen Machtkonstellationen und Entwicklungen. Unsere politische Führung steht, nach allem was wir wissen, ziemlich ratlos und unentschlossen vor Putins Machtspielen und dem Krieg in der Ukraine. Und im Gegensatz zu 1914, unterliegen wir ja einer einzigartigen medialen Berieselung, der man wegen der Widersprüchlichkeit und der Vielzahl an Experten für jedes Ereignis lieber nicht ungeprüft trauen sollte. Und genau da sollte Herr Lienig in diesem Erinnerungsjahr angesetzt haben: Ermahnung aller, wirklich aller Mitmenschen, wieder selbst zu denken, sich eigene Meinungen bilden, sich staatlicher Einflußnahme widersetzen, wo es nötig und wichtig ist, bis hin zum zivilen Ungehorsam. Einmischung der Basis ist gefragt, und keine unter der Hand ausgehandelten Kompromisse. Politik wird auf allen Ebenen von Menschen gemacht. Und die sind nun mal eigennützig, auf eigene Vorteile bedacht, bedingt korruptionsresistent und vornehmlich daran interessiert, sich nicht wirklich in die Karten schauen zu lassen.
Was eignet sich besser, darauf so eindringlich hinzuweisen und zu mahnen, als das Mahnmal im Bodenwerderaner Schrinntal. Es ist eine Schande, es so verkommen zu lassen. Dieses Mahnmal kann man durchaus entritualisieren und erlebbar machen. Nicht nur zu besonderen Anlässen.
Im kommenden Jahr 2015 jährt sich zum 70. Mal ein weiteres, wichtiges und eigentlich freudiges Ereignis, dessen Konsequenzen bis in unsere heutige Zeit hineinreichen. Man könnte es feierlich gestalten. Wird die Samtgemeinde bzw. Stadt Bodenwerder diese zweite Chance nutzen und das Schrinntal-Mahnmal bis dahin auf Vordermann gebracht haben?
Ich halte es in diesem Fall lieber mit dem bekannten Satz aus Goethes Faust: „Die Botschaft höre ich wohl, allein mir fehlt der Glaube.“

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