Tag Archives: Bodenwerder

Bodenwerder entdeckt seine Bürger – oder auch nicht

Die neue Weserpromenade und die Politik

Am Freitag, 7. November 2014, berichtet der Bodenwerder Anzeiger ausführlich über ein alternatives Weserpromenaden-Konzept, das im krassen Gegensatz zu vorliegenden Plänen der Stadt Bodenwerder, bzw. dem beauftragten Ingenieurbüro Treuberg + Hinst steht.
Der stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende im Stadtrat, F.W. Schmidt, informierte sich bei der Stadt Lügde, die bereits Erfahrung mit der Wiederbelebung des Stadtbildes hat. Nach diesem Besuch begrüßt Herr Schmidt jede Aktivität der Stadt und der Bürger, gibt aber gleichzeitig zu bedenken, daß ohne eine konzertierte Aktion, sprich konzeptionelles Vorgehen, vieles nur Stückwerk bliebe.

Dieser Aussage stimme ich inhaltlich zu.

Jedes Marketingkonzept lebt von einem zu erreichenden Ziel nebst Unterzielen, aus denen sich dann erst Maßnahmen ableiten, mit denen diese Ziele erreicht werden können. Um diese grundsätzliche Vorgehensweise kommt auch eine Kommune nicht herum. Werden dann doch Blumenbeete angelegt, Fahrradpavillons gebaut, neue Stadtschilder und Wegweiser beschafft, sind dies Einzelaktionen, die sich über kurz oder lang als teuer und möglicherweise unnötig herausstellen.

Mich wundert nur, daß Herr Schmidt nicht schon viel früher auf diesen Gedanken gekommen ist. Denn in einer Sitzung des Innovations-Ausschusses Anfang 2012 wies die seinerzeit noch existierende Grünen-Fraktion im Stadtrat ausdrücklich auf die fehlende Zielsetzung hin. In einem anderen Zusammenhang äußerte die Grünen-Fraktion starke Bedenken für ein geplantes Leerstandskataster der Innenstadt. Schließlich muß man sich ja fragen, was so etwas bringen soll – ohne Konzept.

Warum beauftragen unsere Politiker immerzu Gutachter und beauftragen gern Planungsbüros? In erster Linie deshalb, weil man sich bei einer Fehlentscheidung leicht und vorteilhaft unter Hinweis auf ein Gutachten prima der Verantwortung entziehen kann. Hier fehlt einfach der Mut, für eine Sache einzustehen. Die Stadtpolitik ist gut beraten, sich selbst erst einmal Ziele zu setzen und die Umsetzbarkeit zu prüfen. Alle dazu notwendigen Informationen liegen ja bereits vor, bzw. können leicht extern beschafft werden, ohne finanzielle Belastung der Kasse. Eine anschließende Prüfung des Plans mit einem Gutachter o. ä. ist dann noch optional möglich und vergleichsweise günstig zu beschaffen. Die Kommune kommt um eigene Gedanken einfach nicht herum.

Ist die Innenstadt überhaupt noch zu retten? Was nützt mir das Wissen um leerstehende Geschäfte? Das gegenwärtige Angebot durch die verbliebenen Einzelhandelsgeschäfte wird kaum noch nachgefragt, der Bedarf wird in der Regel außerhalb Bodenwerders gedeckt, oder Online. Die Eröffnung und der Betrieb von Einzel-handelsgeschäften, die als Vollerwerbsunternehmen agieren, ist mit finanziellen Risiken verbunden. Wer, liebe Politiker, finanziert solche Start-Ups? Sagen Sie jetzt ja nicht, die Banken. Denn bevor Sie das tun, sprechen Sie mal mit einem Kreditsachbearbeiter. Und wenn der potenzielle Geschäftsinhaber selber Geld für seine Idee in der Hinterhand hat? Ja dann… wird er das Geld sicher nicht in den Standort Bodenwerder investieren, sondern nach Hameln, oder noch besser, nach Hannover gehen. Die Frage lautet also: Wer oder was kann sich denn noch in der Innenstadt ansiedeln. Ärzte, Gesundheitsdienste, Wellness-Anbieter? Da gab es mal Ideen, aber daraus ist wohl nichts geworden. Oder warum vergammelt das Meurer-Gebäude?

Kommen wir zurück auf das Projekt „Weserpromenade“.
Diese fraglos sehr attraktive Idee engagierter Bürger wurde auch öffentlich in einer Bauausschußsitzung vorgestellt. Dieses Projekt wirft nicht nur in finanzieller Hinsicht Fragen auf.

Ist eine Investition in der Größenordnung von 1,5 bis 2 Mio Euro durch die Besucherfrequenz überhaupt gerechtfertigt? Oder stellen wir fest, daß sich die Besucherzahlen rückläufig entwickeln? Aufschluß darüber würden anonymisierte Übernachtungs- und Umsatzzahlen von Hotel- und Gastronomiebetrieben geben. Liegen die vor?

Auf Facebook entwickelte sich eine leicht kontroverse und nicht immer sachliche Diskussion, bislang geführt von einigen, wenigen Teilnehmern. Es darf kritisch hinterfragt werden, warum sich nur so wenige Einwohner an dem Facebook Gedankenaustausch beteiligen. Schließlich steht die Wiederbelebung Bodenwerders auf dem Spiel.

Und da sind wir schon beim nächsten Punkt. Die Beteiligung der Bevölkerung. Die Schwachstelle Bodenwerders schlechthin. Zwar gibt man im Stadtrat vor, sich über eine aktivere Beteiligung der Einwohner zu freuen, aber gleichzeitig schließt man die Bevölkerung am liebsten von der Entscheidungsfindung aus, oder setzt sie erst sehr viel später mit bereits abgestimmten Fakten ins Bild. Was zur Folge hat, daß sich die Bodenwerderaner mehr und mehr zurückziehen. Stichwort Politikverdrossenheit.

Es reicht im 21. Jahrhundert nicht mehr, die Einwohner über offizielle Aushänge an öffentliche Sitzungen zu erinnern. Wer flaniert denn noch durch die Restinnenstadt und hält vor den Bekanntmachungen inne? Warum ist die Stadt Bodenwerder nicht aktiv auf Facebook unterwegs? Man kann über soziale Netzwerke trefflich philosophieren, aber auch hier kommt die Stadt um eine aktive Beteiligung einfach nicht mehr herum. Eine Minibekanntmachung auf der Regionalseite der unkritischen Dewezet reicht hier aus?

Bodenwerder hat weniger Einwohner als die USS George W. Bush an Besatzung mit sich führt. Da wird es doch wohl möglich sein, Einwohner über soziale Netzwerke, Rundschreiben, Direktansprachen so zu mobilisieren und zu Abstimmungen zu bewegen, die der Politik zumindest eine Entscheidungshilfe an die Hand geben. Eine derartige Befragung hat konkrete Vorteile. Es kommen damit nicht nur neue, sondern auch ausgefallene Ideen ans Licht, es wird auch das Bewußtsein dafür geschärft, was der gemeine Bürger eigentlich genau will. Die Ergebnisse einer solchen Befragung können aber auch negativer Art sein. Es könnte sich z. B. herausstellen, daß eine Innenstadtbelebung gar nicht im Fokus der Öffentlichkeit steht, weil die Innenstadt an sich schon lange von der Bevölkerung aufgegeben wurde. Sollte sich aber diese Annahme als falsch herausstellen, hätte man zumindest einen Eindruck über die Art von Geschäften, die sich Bodenwerders Bürger wünschen.

Vor kurzem war ich an zwei voneinander unabhängigen Tagen unfreiwillig Zeuge von Gesprächen, die uns allen bekannte Stadtpolitiker mit Bürgern über das Projekt „Weserpromenade“ in aller Öffentlichkeit führten. Liebe verantwortliche Stadtverordnete: wenn Sie die Bevölkerung als „Dummköpfe“, „Spinner“, die „keine Ahnung“ und deshalb auch nicht „ernst genommen werden können“, diskreditieren, brauchen wir uns über Bodenwerder wirklich keine Gedanken mehr machen. Dann verkommt die Politik einmal mehr zur Lachnummer. Gute Nacht, Bodenwerder

Advertisements

Lichterfest 2014 ohne DLRG Beteiligung

titelt die Dewezet in ihrer Ausgabe vom 04. August 2014 und beschreibt in ihrem Artikel, dass sich der Veranstalter des Lichterfestes nicht mit dem DLRG Ortsverband Bodenwerder hinsichtlich der Kosten für den Sicherungseinsatz einigen konnte. Daraufhin kündigte der Vorsitzende des Ortsverbandes die Teilnahme am Lichterfest und setzt neben der Sicherungsaufgaben auch das Fackelschwimmen aus. Näheres zu diesem Bericht ist der Dewezet, Ausgabe Bodenwerder, zu entnehmen.

Daß sich der Ortsvereinsvorsitzende wenige Tage später in der Zeitung wieder „geläutert“ äußerte und nachdrücklich seine Nähe zu Bodenwerder unterstrich, will ich an dieser Stelle gar nicht kommentieren. Das Einlenken kann ja durchaus auf die politische Verbundenheit des Vorsitzenden mit Rat und Verwaltung der Stadt Bodenwerder zusammenhängen. Da bleibt kaum Luft zur öffentlichen Diskussion und Kritik.

Ich finde es schade und unverständlich, daß es soweit kommen mußte. Sofern diese Angelegenheit tatsächlich monetäre Hintergründe gehabt haben sollte, traue ich zumindest dem Vorsitzenden des DLRG Ortsvereins durchaus genügend Verhandlungsgeschick zu, um diese Affäre zu bereinigen. Der interessierte Leser muß nach den beiden Zeitungsartikeln den Eindruck haben, daß es bei dem Disput vermutlich nur um eine verhältnismäßig kleine, „überschaubare“ Summe gehandelt haben kann, denn die DLRG wollte ja noch verhandeln.

Klar ist, daß der Veranstalter des Lichterfestes die Kosten im Blick haben muß. Jedoch sollte man meinen, daß neben wirtschaftlichen Aspekten auch ein Interesse daran besteht, Vereinen die Mitarbeit, Organisation und Durchführung zu ermöglichen. Gerade auch in traditioneller Hinsicht; unterstützte die DLRG das Lichterfest doch seit vielen Jahren und das Fackelschwimmen gehörte einfach zu dieser Veranstaltung.

So sehr ich die Absage an die DLRG wirklich bedaure, so sehr empfinde ich es als absolut unberechtigt, darüber im Regionalblatt auch nur ein Wort zu verlieren. Denn was ist eigentlich passiert?

Der Ortsverband des DLRG, allen voran dessen Vorsitzender, erfährt nun womöglich erstmals, daß an einem Angebot kein Interesse besteht. Was macht der Kunde? Er geht woanders hin, über die Stadtgrenze hinaus. Im schlechtesten Fall ist dieser Kunde unwiderbringlich verloren. Ein Vorgang also, der den verbliebenen Einzelhändlern in der sog. Innenstadt fast täglich widerfährt – ohne jegliche mediale Aufmerksamkeit.

Die Berichterstattung öffnet hoffentlich vielen Einwohnern Bodenwerders die Augen über ihr eigenes Konsumverhalten. Die Entscheidung von Herrn Dreyer als Geschäftsführer des Verkehrsvereins ist ja nur ein Platzhalter für das Verhalten der Einwohner im Allgemeinen.

Der Unmut der Verbraucher / Kunden ist groß, wenn Einzelhändler wirtschaftlichen Zwängen folgend, ihre Sortimente anpassen und/oder teilweise aufgeben. Ganz zu Schweigen von geänderten Öffnungszeiten.

Genau die Kunden, die die nachlassende Attraktivität Bodenwerders als Einkaufsstadt beklagen („In Bodenwerder ist doch nix los, hier kann man ja auch nicht einkaufen.“), finden sich aber relativ schnell mit Beileidsbekundungen wieder ein, wenn ein Geschäft zum Räumungsverkauf anläßlich Geschäftsaufgabe schreitet und es satte Prozente hagelt.

Nichts für ungut, DLRG. Euren Ortsverein wird es auch weiterhin geben. Im Gegensatz zu den Einzelhändlern in der Innenstadt. Das Intermezzo wird vielen im Gedächtnis bleiben als das Jahr, in dem der Verein aus dem Lichterfest flog. Mehr nicht.