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Über Facebook, Freunde und die deutsche Sprache

Über Facebook, Freunde und die deutsche Sprache

Warum bin ich nicht so richtig mit hunderten von Leuten vernetzt? Warum findet man mich nicht in Foren oder „Communities“? Diese Frage habe ich mir schon oft gestellt und wollte mir nie den wirklichen und wahren Grund eingestehen.

Eigentlich sind es ja zwei Gründe, die mich wohl auch weiterhin davon abhalten, „Freunde“ zu sammeln und mich in sozialen Netzwerken so richtig einzubringen. Der erste Aspekt sind die „Freunde“. Der zweite Aspekt ist die Ausdrucksstärke der Einträge / Kommentare, die in 8 von 10 Fällen auf einer Skala von 0 bis 10 bei 0 verbleiben.

Der Begriff „Freund“ wird heute üblicherweise inflationär benutzt. Mir widerstrebt, jemanden so zu bezeichnen, der höchstens ein guter, wenn nicht sogar nur ein weitläufiger Bekannter ist. Natürlich ist das eine Frage der Definition. Aber ist es nicht so, daß Freunde zum sozialen Leben gehören? Man hat sich irgendwann einmal kennengelernt, im Urlaub, bei Veranstaltungen, oder hat gemeinsam etwas durchgestanden. Eine Freundschaft ist wichtig, sie hat häufig stark verbindende Elemente und jeder sollte sich wirklich die Frage stellen, welcher aus dem Freundeskreis so verläßlich ist und zu einem steht, wenn es bei einem selbst mal nicht so gut läuft. Gibt es da jemanden, der einen selbst vor der Polizei verstecken würde? Wie wichtig echte Freunde sind, weiß man erst, wenn sie einen verlassen. Eine zutiefst bittere und enttäuschende Erfahrung. Geschiedene Freunde hinterlassen fast immer eine echte Gefühlslücke.

Fällt einem Freundesammler auf Facebook aber tatsächlich auf, wenn die z. T. lange Liste einen Freund weniger ausweist? Was ist mit der Gefühlslücke? Ich unterstelle also, dass es sich bei Facebook und Co nicht immer um echte Freunde handelt, eher Bekannte. Und deshalb bin ich nicht bereit, einer unter vielen zu sein, eine Art Trophäe. In einer Sammlung von Leuten, mit denen mich nicht nur nichts verbindet, die aber womöglich auch noch Freundesfreunde enthält, mit denen ich aus den unterschiedlichsten Gründen nichts zu tun haben möchte (und sie mit mir wohl auch nicht).

Deshalb gehen ja viele Facebook Teilnehmer dazu über, ihre Freunde zu verstecken. Erst nachdem eine Freundschaftsanfrage positiv beantwortet wird, entdeckt man die Kontakte. Eine Schlangengrube, die sich da vielleicht auftut. Warum versteckt man seine Freunde? Ich glaube, in erster Linie, um sich deren Grammatik und Artikulation und Umgangstones nicht schämen zu müssen. Haben Sie schon mal bewußt Kommentare, Meldungen, und Nachrichten bei Facebook, aber auch in den Kommentarfeldern bei Focus, Stern, Spiegel aufmerksam gelesen?

Um es gleich vorweg zu nehmen: ich bin gewiß kein ausgesuchter Kenner der deutschen Sprache. Aber ich mag sie und versuche, sie so gut es geht zu nutzen. Ich versuche, Fehler zu vermeiden. Warum? Nun, ein vernünftiger Schreibstil und eine angemessenen Ausdrucksweise hat in meinen Augen etwas mit Wertschätzung der Leser zu tun. Ich begreife einfach nicht, warum sich die meisten Teilnehmer der sozialen Netzwerke mit einem Grundwortschatz von vielleicht 100 Worten zufrieden geben. Auf der nächst niedrigeren Stufe finden wir dann nur noch Grunzlaute. Da muß doch mehr drin sein!

Ich kenne sogar einen Facebook User, der sich standhaft weigert, die einfachsten Grundlagen der Grammatik und der Satzlehre zu beachten, sich aber berufen fühlt, Bewerbungstrainings für junge Berufseinsteiger anzubieten. Nicht wahr? Da fällt einem kurzzeitig gar nichts ein.

Dabei habe ich noch gar nicht die Qualität der „Posts“ angesprochen. Aber das ist vielleicht ein Thema zu einem späteren Zeitpunkt.

Ich geh jez mit Hund raus. Ganzen Tag am Schreibtisch. Uff.

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